Ich schreibe mindestens wöchentlich mit verschiedenen Leuten gemeinsam an Texten im Netz. Die Zeiten, in denen noch ein Word-.doc (bestenfalls mit eingeschalteter Änderungsverfolgung) per Mail hin- und hergeschickt werden, sind in meinem Alltag leider noch nicht ganz vorbei, zum Glück jedoch sehr selten geworden. Meist werden Etherpads oder Text-Dokumente in GoogleDrive genutzt. Was meistens chic funzt. Allerdings haben beide Tools in meiner Erfahrung zwei Nachteile: sie versagen oft auf mobilen Geräten (zumindest unter iOS) und sie haben keinen guten Markdown-Support.

Zwei Alternativen sind hackpad und penflip.

1. hackpad

Screenshot von hackpad

Screenshot von hackpad

Im Konsumteil der Folge 143 des Fanb0ys-Podcast wurde hackpad besprochen. Hackpad hat schon ein paar Monate auf dem Buckel, aber in diesem Herbst gerade wieder [ein Upgrade bekommen](10 Hackpad Site Upgrades You Need to Know About). Hackpad erinnert optisch und funktional zuerst an Etherpad (Lite), bietet aber doch einige Funktionalitäten mehr:

Super:

  • Die Änderungen werden übersichtlich, aber dezent am Textrand gekennzeichnet, nicht farbig hinterlegt im Text, wie im Etherpad.
  • Mit der URL von Vimeo-, YouTube-, Tumblr-, flickr-, GoogleMaps (etc. pp.)Posts, können Filme, Bilder und mehr direkt eingebunden werden (ohne den Embed-Schnippsel zu suchen (was gerade mobil oft sehr umständlich ist).
  • Einzelne Pads können in „Collections“ oder per #hashtag organisiert werden. Allerdings scheint dies nur für die eigenen Pads, nicht übergreifend zu funktionieren.
  • Es gibt einen Offline-Sync zur Dropbox
  • Pads kann gefollowed werden, so dass Änderungen anderer nicht verpasst werden.
  • Wichtigster Vorteil gegenüber Etherpads und Google Drive: es funktioniert auch auf mobile devices wirklich hervorragend.

(So sieht dieser Text in hackpad aus.

Schade:

  • Für meinen Geschmack ist der fehlt allerdings ein wirklicher Markdown-Support. Ein Pad kann als .md exportiert werden, aber die Eingabe der Syntax ist auf den WYSIWYG-Richtext-Editor beschränkt. Zwar werden einige Markdownelemente zur Eingabe unterstützt (und dann direkt umgesetzt), bei mehren Tests hat das aber nicht wie dokumentiert funktioniert.
  • Der Export ist komplett unintuitiv und umständlich (funktioniert nur aus der Profilansicht von Nutzer_innen und über per e-Mail verlinkte .zip-Datei
  • Ohne Anmeldung (geht aber auch über Google- oder Facebook-Signin) können Texte nicht bearbeitet werden.

Optisch ist hackpad so ansprechend, dass es durchaus genutzt werden könnte, um „schnell mal was“ geordnet außerhalb der eigenen Webseite oder des eigenen Blogs zu veröffentlichen.

2. penflip

Screenshot von penflip

Screenshot von penflip

Penflip könnte vom Erscheinungsbild glatt als Web-App-Version meines Lieblingstexteditors iAWriter durchgehen: Schlicht, aufgeräumt, Ablenkungsfrei. Eins vergisst glatt, sich im Browser zu bewegen. Empfohlen wurde penflip letztens im Podcast „Homework“.

\o/ Yeay!

  • Perfekter Markdown-Support.
  • „Distraction Free.“
  • Penflips größte Stärke ist die (wenn ich’s richtig verstanden habe an Git-angelegte) Versionskontrolle. Von Texten können mehrere Versionen (auch von unterschiedlichen Leuten) bearbeitet werden, denen eigenständige Namen zugewiesen werden können. Diese Versionen können dann verglichen oder etwa auch Zusammengefügt werden. Änderungen werden dabei sehr übersichtlich dargestellt.
  • Die Preview eines Dokumentes ist eine hübsche Möglichkeit, Textdokumente (auch mit Bildern) sehr schnell im Netz zu präsentieren.

/o\ Eher nicht so toll:

  • Penflip ist nicht für die Live-Kollaboration gedacht. Viele Usecases wie gemeinsam Protokoll schreiben, Echtzeit-Brainstorming etc., die ich oft nutze, fallen damit weg.
  • im Vergleich zu Google-Drive-Text-Dokumenten, Etherpads oder auch hackpad verhältnismäßig wenig Features (was ein Vorteil sein kann, wenn diese nicht gebraucht werden).

(So sieht dieser Text in penflip aus.

Fazit

Insgesamt finde ich den hackpad für Anwendungsfällen, in denen synchron am gleichen Dokument gearbeitet werden soll eine großartige Alternative zu Etherpads und Google Drive. Für längere Texte und eine detailierte Versionskontrolle ist penflip wohl etwas geeigneter (und im FrontEnd noch ein bisschen hübscher). Die hervorragende Markdown-Unterstützung ist für mich ein unschlagbares Argument für penflip, da allerdings viele mit denen ich regelmäßig gemeinsam an Texten schreibe sich noch immer gegen Markdown streuben, wäre für kollaborative Projekte vielleicht penflip dann doch die sinnvollere Alternative. Und penflip bleibt dann wohl doch eher den eigenen – dann nicht mehr so kollaborativen – Texten vorbehalten.
Ich kann sehr empfehlen, beide Tools mal auszuprobieren. Oder Vorschläge für andere Alternativen zu nennen.