Irgendwer, möglicher Weise war ich es selbst, hat die Kaffeemaschine mal als beste Freundin des Menschen bezeichnet. Aus meinem Alltag möchte ich sie (in Form einer Siebträger-Espressomaschine) jedenfalls nicht mehr wegdenken. Auch wenn ich zunehmend häufig zum V60-Filter oder der AeroPress greife. Zur AeroPress hat Svenja eigentlich fast alles gesagt, zum V60 vielleicht später mehr.

Die langen Espressovollautomatenjahre sind vorbei. Vollautomaten sind praktisch und schnell. Andererseits auch reparaturanfällig und Wartungsintensiv. Der Las-Vegas-Modus meiner alten AEG-Cafamosa, bei der alle acht Kontrolllämpchen wild durcheinander blinkten war in meiner alten WG legendär. Außerdem überlässt ein Vollautomat den Kaffeebereitenden weniger Kontrolle über die Herstellung: Mahlgrad, Tamperdruck, (Wassertemperatur, Wasserdruck,) Wassermenge, Bezugszeit… (Auf die eingeklammerten Faktoren habe ich mit meiner Maschine auch kaum Einfluss.)

Die QuickMill 0820

Seit gut zwei Jahren nutze ich die QuickMill 0820 mit einer Graeff CM80 Kaffeemühle. Das war das Setup, dass ich nach tagelanger Recherche im Kaffee-Netz, Kaffeewiki und schließlich Konsultation von Espresso Tecnica in Altona als das passendste herausstellte. Kriterien waren damals:

  • deutlich weniger als 1.000€ ausgeben.
  • schneller Espressogenuss ohne lange Wartezeiten.

Die QuickMill 0820 (ab knapp 400€) hat einen Thermoblock mit zwei Temperaturbereichen (Dampf für Schaum und Heißwasser für Kaffee) verbaut. Also quasi einen Durchlauferhitzer, der in unter einer Minute betriebsbereit ist. Das ist vielleicht etwas stillos. Um 30 Minuten auf einen vorgeheizten Kupferkessel zu warten ist mein Espressodurst aber oft zu groß. Und bei 4-8 doppelte Espressi am Tag lohnt es sich kaum eine Maschine den ganzen Tag im Stand-by laufen zu lassen.

Espresso

Der Espresso wird sehr gut: tolle Crema, richtige Temperatur, gleichmäßige Extraktion und passable Konsistenz. Die Schwere und den festen Körper einer Barmaschine erreicht der Espresso kaum. Da ich aber in Wilhelmsburg bisher nirgendwo einen wirklich grandiosen Café-Espresso bekommen kann, ist dass das in der Regel das beste, was ich innerhalb von 20 Minuten bekommen kann.

Und das in zwei Minuten. Eine zum Vorheizen, und eine für die Zubereitung:

Cappuccino und so…

Es gibt wohl gefälligere Maschinen als die QuickMill 0820, mit etwas Übung lässt sich aber richtig schöner, feinporiger Schaum erzeugen. Bei i.d.R. maximal zwei Cappuccini am Tag gehe ich davon aus, dass zur Zeit ich selbst das Limit für perfekten Schaum ist. Und die Maschine nach oben noch Luft bietet. Das ist was ich so an einem guten Tag hinbekomme:

Schwankungen.

Kaffeemühle (Graef CM 80)

Mit der Graef CM 80 bin ich (nach auch gut zweieinhalb Jahren Benutzung) recht zu frieden. Sie mahlt flott, gleichmäßig, recht ruhig und die 25er-Stufen der Mahlgradeinstellung sind mir fein genug.

Die CM 80 und das sehr ähnliche Nachfolgemodell Graef CM 800 gibt’s für knapp über 100€ und ist imho wohl die Beste Mühle unter 250€. Der größte Nachteil: sie ist super hässlich. Unter dem Mahlwerk sammelt sich ein bisschen zu viel Kaffeemehl, was ich bei ca. acht Mahlvorgängen am Tag relativ vernachlässigenswert finde, da immer wieder frischer Kaffee nach rutscht. … Wobei … je länger ich darüber nachdenke. … Waaaah.

Regelmäßiges Reinigen ist bei jeder Mühle enorm wichtig, bei der CM 80 geht das recht flott. Das Wieder-Zusammensetzen hakt manchmal ein klitzekleines bisschen. Ich kann mir vorstellen, dass das bei höherpreisigen und noch besser verarbeiteten Mühlen etwas reibungsloser klappt.

Bei extrem öligen Kaffeesorten ist die Reinigung noch wichtiger, damit nix ranzig wird. Die CM 80 wird bei solchen Kaffeesorten übrigens ein wenig langsam.

Bei weniger als zwei Mahlvorgängen am Tag würde ich eher zur Handmühle greifen. Für weitere Kaffeesorten (in den Behälter der Mühle geht ja immer nur eine Sorte gleichzeitig rein) oder unterwegs habe ich seit Weihnachten neben der elektrischen und einer alten Holzmühle auch eine Hario Ceramic Slim im täglichen Einsatz. Sehr empfehlenswert. Mittlerweile finde ich aber fast die Porlex JP-30 Stainless Steel attraktiver. Die ist aus Stahl statt Plastik und passt unterwegs in die AeroPress.

Espressomaschinen: Alternativen

Eine der attraktivsten Alternativen wäre wohl die Rancilio Miss Silva, die auch im (ohnehin sehr hörenswerten) CRE zu Kaffee empfohlen wird. Als größter Nachteil wird hier öfters die „große Hysterese des Brühthermostaten“ genannt, sprich, die Kesseltemperatur wird beim Umschalten von Schäumen auf Brühen nicht schnell genug abgesenkt, bzw. heizt in umgekehrte Richtung nicht schnell genug auf. Ein Problem, dass viele Einkreisige Maschinen zu haben scheinen. Einige Modelle der Miss Siva haben zudem 110°C-Thermostate eingebaut, wodurch die Gefahr recht hoch ist, den Kaffee beim Brühen zu verbrennen. Als beliebtes Work-Around scheint wohl das Temperatursurfen oder das Nachrüsten eines PID (proportional–integral–derivative) controller zu sein. Auf beides hätte ich nur bedingt Lust.

Für etwa 250€ ist die Gaggia Classic Coffee erhältlich, die sicher auch eine gute Wahl ist, insbesondere, wenn nur Espresso kredenzt werden soll. Die Dampflanze der Classic Coffee ist extrem kurz und daher schlecht zu benutzen. Baslter_\innen werden mit einer nachgerüsteten Dampflanze (und ggf. mit einem PID-Mod) bestimmt sehr glücklich.

Einen schönen Überblick über „beliebte Einkreiser“ und „beliebte Zweikreiser“ (also Espressomaschinen mit einem bzw. zwei Heizkreisläufen) gibt es im grandiosen KaffeeWiki.

Wer noch mehr Geld für die Kaffeebereitung übrig hat sollte sich in jedem Fall bei den zweikreisigen Maschinen umsehen. Meine Eltern sind mit ihrer Bezzera BZ10 sehr glücklich (Foto oben). Auch einen netten Eindruck machen die ECM Mechanik III und die B.F.C. Ela.